Porträtfotos mit einfachem Licht-Setup

Zu Zeiten der analogen Fotografie und die sind ja noch gar nicht so lange her, musste man sich vorab deutlich mehr Gedanken machen als heutzutage. Nicht nur, weil Filme und deren Entwicklung richtiges Geld kosteten, sondern auch, weil das Ergebnis erst nach dem Ausbelichten sichtbar war.
Die Zeiten haben sich geändert und würden eigentlich ein zügigeres Arbeiten zulassen. Sollte man meinen.
Heute werden allerdings nicht 10 – 20 Aufnahmen eines Motivs gemacht, sondern mindestens das 10fache.
Kostet ja nichts – außer Zeit und Nerven des Modells – und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Foto passt.
Kürzlich hab ich mir ein neues Blitzgerät für meine Kamera gekauft und meinen 15-jährigen Sohn Vincent gebeten, mir für ein paar Aufnahmen Modell zu sitzen.
Nun haben 15-jährige alles mögliche, aber definitiv keine Zeit und auch keine Lust für solche Geschichten. Zuletzt hatte ich ihn soweit, dass er mir 15 Minuten seiner wertvollen Zeit zur Verfügung stellte.

Ich nahm die Vorgabe sportlich und hab es tatsächlich mit Aufbau und Fotografieren im gesetzten Zeitrahmen geschafft.

Setup und Aufnahme

  1. Kamera auf das Stativ montiert
  2. Einfachen Reflektorschirm mit Blitzgerät (“entfesselt”) auf ein Leuchtenstativ montiert
  3. Blitzgerät als Slave mit Auslösung über kamerainternen Blitz eingestellt
  4. Hintergrund des Jugendzimmers etwas entrümpelt
  5. Junior auf einem Stuhl setzen lassen mit einer Pose seiner Wahl
  6. 2 Fotos zum Ermitteln der Blitzeinstellung (Teilblitze, um den Hintergrund abzudunkeln)
  7. 4 Fotos, die zum endgültigen Ergebnis unten führten

Der Blitz mit dem Reflektorschirm wurden in einem Winken von ca. 45 Grad leicht von oben eingestellt.
Den kamerainterne Blitz hab ich in der Leistung stark zurückgenommen, um den Hintergrund nicht unnötig aufzuhellen.  Zusätzlich eine hohe Blende, um den Hintergrund noch etwas mehr abzudunkeln und das war’s.

Nachbearbeitung in Photoshop

Der Rest wurde dann mit sparsamen Mitteln von mir in Photoshop erledigt. Hier verzichtete ich komplett auf Aufhellen (engl. Dodge) oder Nachbelichten (engl. Burn) sowie auf Retusche. Ich hab nicht einmal am Ausschnitt etwas geändert.
Schwarzweiß bot sich an, weil der Vorhang im Hintergrund sehr bunt war und einfach nicht zur Stimmung bzw. dem Motiv gepasst hätte.

Zum Umwandeln in Scharzweiß hab ich die Kanalberechnung verwendet. Eine Ebene des Bildes mit der Einstellung “Multiplizieren” und eine anderen mit “Aufhellen” erstellt und beide übereinander gelegt. Zuletzt noch Schärfen über eine Bildkopie mit dem Hochpass-Filter und fertig.
Gesamtaufwand in Photoshop mit ein paar Experimenten für die beiden Bilder ca. 30 Minuten.

Fazit

Ich und auch mein Sohn sind mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Man hätte natürlich auch andere Ergebnisse “entwickeln” können. Alles Geschmackssache. Mir ist wieder einmal klar geworden, dass neben der Technik und deren Beherrschung noch immer die Bildgestaltung  (Kopfkino!) im Vordergrund stehen sollten. Und daran wird sich auch nie etwas ändern. Und wenn die Aufnahme nicht passt, dann nützt auch das beste Bildbearbeitungsprogramm nichts.

Porträtfoto - Bernhar Aicher